Lichtzeichen – Einige Gedanken zum AfterWorkCamp 2017

Der digitale Raum ist grenzenlos, unergründlich und manchmal ist man darin ganz schön einsam. Vor allem dann, wenn man innerhalb einer strukturell als Behörde anerkannten Kulturinstitution quasi im Alleingang den digitalen Alltag bestreitet. Das heißt nicht, dass ich nicht die besten Kolleginnen der Welt habe! Ganz im Gegenteil, ein besseres Team kann man sich nicht vorstellen. Aber wenn man so im stillen Kämmerlein an digitalen Konzepten und Ideen für die Vermittlung kommender großer Ausstellungsprojekte feilt, dann ist man ein wenig in Gefahr, den Kontakt zum Publikum zu verlieren. Und, beinahe genauso fatal, man verliert die Wettbewerber aus den Augen. Welche neuen technischen Errungenschaften haben sich in den anderen Museen durchgesetzt? Von welchen Erfahrungen kann man lernen? Aber auch: Wo können meine Fehler anderen dabei helfen, etwas besser zu machen. Kurzum: Manchmal muss ich das Museum verlassen, um das Museum weiter in die digitale Zukunft bringen zu können. Das können Treffen in anderen Häusern sein, was leider extrem selten vorkommt, oder aber man hat das Glück auf eine große und meist recht teure Konferenz reisen zu dürfen. Diese Gelegenheiten kann ich aber noch eine ganze Weile lang an einer Hand abzählen und meistens steht der finanzielle Aufwand für eine solche Reise in keinem Vergleich zu dem Nutzen. Im Klartext: Je teurer, desto sinnloser für meine praktische Arbeit. (Ich lasse mich da gerne vom Gegenteil überzeugen.)

Wie gut, dass es die Kulturkonsorten gibt. Einmal im Monat lade ich all meine Frustration über Ressourcenmangel, fehlende Weitsicht und Strukturprobleme bei ihnen in der Toolbox ab. Kostenfrei. Liebevoll werden diese Runden von mir „Therapiesitzungen“ genannt, was den Kern der Sache recht gut trifft. Ich stelle Ideen vor, bekomme ein ehrliches Feedback von der Gemeinde, kann Ränke schmieden und Gleichgesinnte treffen. Und was am besten an diesen Zusammenkünften ist: Woanders ist es eben nicht anders. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Man verlässt die Toolbox mit einem leichteren Herzen und neuem Mut. Auf in den Kampf! Das Museum kann den digitalen Raum erobern!

Das AfterWorkCamp 2017 ermöglicht all diese wunderbaren Dinge komprimiert in einer Woche. Ein Austausch mit digitalen Artgenossen auf Augenhöhe, wo man ohne falsche oder gar echte Scham einfach so Fragen stellen kann und eine direkte Antwort ohne begleitendes Verkaufsgespräch bekommt. Ich will an dieser Stelle nicht viel zum Ablauf sagen, dass lässt sich alles bei den Kulturkonsorten selbst nachlesen. Auf einige Highlights möchte ich aber kurz eingehen.

Am ersten Abend durften wir im „Infopoint für Museen und Schlösser“ zu Gast sein. Übrigens bin ich an keinem der gastgebenden Orte, außer der Toolbox selbst, je zuvor gewesen. Für mich also auch eine Gelegenheit, direkte Partner und indirekte kulturelle Verwandte endlich einmal geographisch einordnen zu können. Im Herzen von München durfte ich dann in kleiner aber dafür sehr interessierter Gesellschaft die Genese der Online-Sammlung der Pinakotheken vorstellen. Ein Testlauf für die öffentliche Diskussion von sonst nur intern debattierten Themen wie strukturellen Problemen mit Datenbanken und juristischen Hürden durch Urheberrechte. Ungemein hilfreich für meine weitere Arbeit: Die Reaktionen des Publikums auf die Details im Umgang der Verwertungsgesellschaft mit uns.

Ganz klar mein persönliches Highlight: Der Abend in der Theaterakademie August Everding. Johannes Lachermeier führte uns persönlich auf und vor allem unter die Bretter, die die Welt bedeuten und stellte einmal mehr klar: Die ganze Welt ist Bühne. Ein beeindruckender Rundgang durch die Welt des Theaters für den ich sehr dankbar bin. Passend dazu stellte ein besonderer Weggefährte seine „Theaterwelten“ vor.

Theaterluft schnuppern mit Johannes Lachermeier

Michael Stacheder ging mit seinem Blog rund um die von ihm im beschaulichem Bad Aibling inszenierte Oper „L’elisir d’amore“ neue Vermittlungswege im Kulturbereich. Einmalig seine Blicke hinter die Kulissen, seine gnadenlose Offenlegung von Entstehungsprozessen vom Bühnenbild, zu den Kostümen bis hin zur Produktion von Theaterblut. (Rote Beete oder keine rote Beete? Das ist hier die Frage!) Ein Tagebuch, das die ungeheure Vielfalt der Theaterarbeit auch dem Laien gegenüber ohne jegliche Überheblichkeit verständlich macht. Ein wunderbarer Blog, aus der Not und dem Trotz heraus geboren, und gerade deshalb ein Vorbild für die Vermittlungsarbeit im Kulturbereich. Ein Blick in die „Theaterwelten“ lohnt sich stets, empfohlen sei an dieser Stelle auch ein Ausflug in die dortige „Kantine“. Übrigens, hängengeblieben ist von dem Abend in der Theaterakademie auch ein genialer, weil so wahrer, Ausspruch von Johannes Lachermeier: „Den besten Content gibt es in der Kantine.“ Ich darf hier entre nous ja verkünden, dass die Pinakotheken leider keine Kantine besitzen. Auch deshalb fallen mir die besten Ideen wahrscheinlich bei diversen AfterWork-Veranstaltungen ein.

Der Abend bot auch eine lebhafte Diskussion über die Nachhaltigkeit von Aktionen auf diversen sozialen Plattformen für die Kulturinstitutionen. Zusammen mit Christian „THE GURU“ Gries und meiner sehr geschätzten Kollegin Kathrin Metzner vom „Gärtnerplatztheater“ durfte ich Erfahrungen austauschen, über Erfolge berichten und über interne Vorurteile sprechen. Das Gespräch in einem Satz?: „Harvest first, filter later.“

Gibt es Nachhaltigkeit im digitalen Raum? UNBEDINGT!

Es gäbe noch viel zu berichten: Über den tollen Abend in der Münchner Stadtbibliothek im Gasteig zum Beispiel. Wo fleißig Häuser gebaut (#FuturoMUC) und Pinguine in der „erweiterten Realität“ potentiellen Besucherinnen und Besuchern eines japanischen Aquariums den Weg wiesen.

Alles in allem war das AfterWorkCamp 2017 ein titelgebendes „Lichtzeichen“ voller Einblicke in andere Welten, Häuser und Institutionen und erleuchtender Gespräche über potentielle zukünftige Projekte. Ein Erfahrungsaustausch der besonderen Art für die digitale Kulturszene, der hoffentlich im kommenden Jahr eine Fortsetzung finden wird.

Deshalb: To be continued.

 

 

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