#Perlenfischen im Depot

Der Schein der Lampe erhellt die Gesichter, der Duft von Tabak liegt in der Luft und durch den Raum dringt schallendes Gelächter. „Meine Freunde abends bei mir“ lautet der sympathische Titel des Gemäldes von Viggo Johansen aus dem Jahr 1897, das mich zum #Perlenfischen ermuntert hat. Denn für mich ist dieses Werk eine Perle aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die verborgen im Depot auf ihre Entdeckung wartet. Die Online-Sammlung der Pinakotheken lässt unzählige solch wunderbare Schmuckstücke an die Oberfläche treten. Nach dem großen digitalen Sturm um den Launch der Website, werden sie nun nach und nach an Land gespült. Wie bei den meisten anderen Museen auch, schlummert der weitaus größte Anteil an Werken aus den Sammlungen im Depot. Manche dieser Perlen sind kleiner als andere, sie glänzen nicht, sind eher matt, etwas unförmig und schimmern vielleicht auch nicht so schön, aber sie wirken trotz allem eine besondere Anziehungskraft auf ihre Betrachter aus. Eine solche Wirkung hatte das Gemälde von Johansen auf mich. Es ist das einzige Werk des dänischen Malers und Zeichners in der Sammlung. Eine echte Perle.

Und wer hat nicht schon einmal von dem berühmten Maler Leo Putz gehört? Nein? Keine Sorge, ich bin auch erstmals auf der Suche nach Perlen auf ihn aufmerksam geworden. 1899 war Leo Putz Gründungsmitglied der Münchner Künstlervereinigung »Scholle«. Er gehörte der Berliner, Wiener und ab 1913 auch der Münchner „Neuen Secession“ an. Von den Nationalsozialisten bedrängt, musste er sich 1933 an seinen Geburtsort Meran zurückziehen. Eines seiner Gemälde aus dem Jahr 1907 zeigt seine Frau Frieda Blell, ebenfalls Künstlerin, vor dem Schloss Planegg. Eine weitere, wie ich finde, wunderschöne Perle aus unserem Depot.

Frieda Blell vor dem Schloss Planegg (Frau Putz im Garten) von Leo Putz aus dem Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, München

Ich könnte jetzt noch weitere solcher Fundstücke aufzählen, aber ich denke, der Grundgedanke meiner Perlenfischerei ist deutlich geworden. Ich empfehle einen Streifzug durch die Online-Sammlung der Pinakotheken, um kleine und größere Museumsperlen ausfindig zu machen. Einige dieser Perlen sind (noch!) recht farblos und auf den ersten Blick wenig eindrucksvoll. Moderne Perlen findet man leider aufgrund des, dank Anke Groeners Blogbeitrag samt einiger Statements von mir mittlerweile recht bekannten, Problems der Gebührenpolitik der VG Bild-Kunst überhaupt nicht. Es sei denn, die Künstlerinnen und Künstler sind bereits seit mehr als 70 Jahren verstorben. Denn das ist die magische Grenze des Gesetzes und damit auch der Verwertungsgesellschaften. Und diese Schranke gilt auch für Darstellungen von Werken aus den eigenen Sammlungen der Museen. Natürlich könnten wir die Bilder zeigen, wenn wir für diese Veröffentlichung zahlen würden. Dann müssten wir allerdings die eine oder andere Ausstellung in unseren Häusern komplett absagen, denn in diesem Kostenrahmen bewegen wir uns. Aber ich weiche schon wieder ab, zurück zu den denjenigen Perlen in der digitalen Sammlung, die wir zeigen können und dürfen.

Es gibt Schmuckstücke, die entpuppen sich am Ende sogar als Kopien großer Meisterwerke und sorgen dabei ab und zu für Verwirrung. Oder habt Ihr gewusst, dass die „Mona Lisa“ ein Teil unseres Münchner Bestandes ist?

Doch, doch, wirklich wahr, seht selbst, hier ist die Dame:

„Mona Lisa“ aus dem Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München

Unsere Münchner Variante der „Mona Lisa“ ist natürlich nur eine Kopie des berühmtes Originals und wird wohl auf ewig im Depot schlummern, womit wiederrum bewiesen worden ist, dass Urheberrechtsverletzungen ein alter Hut sind und dass auch das schönste Lächeln manchmal nicht weiterhilft, wenn es nur eine Nachahmung ist.

Die Blogparade #Perlenfischen des Infopoint Museen und Schlösser in Bayern und Münchner Kaiserburg läuft noch bis zum 14. Mai 2017 und wird sicherlich noch einigen bisher unbekannten Museumsperlen zu Ruhm verhelfen.

3 Kommentare

  1. Liebe Antje,

    Viggo Johansen und Leo Putz mag ich auch sehr! Ja, Copyright führt immer noch zu dem ‚black hole of the XXth century‘ in online Sammlungen. Der diesbezügliche Blogbeitrag van Anke Gröner ist jedoch ‚zum Einsatz gekommen‘. Europeana hat ihr Netzwerk vor kurzem aufgerufen, den Mitgliedern einer bestimmten Kommission im Europaparlament eine Email mit Empfehlungen für die Abstimmung über bestimmte offiziellen Vorschläge zu schicken (Textvorschlag war beigefügt, hier is ja Expertenwissen benötigt, und das hat die Europeana). Ich habe in meiner Email, die an etwa 7 Deutsche Abgeordneten ging, den Blogbeitrag von Anke als Beispiel für das ‚User-Empfinden‘ in diesem Bereich gebracht. Hoffen wir, es war ein Tropfen auf den bereits einigermassen hohlen Stein.

    Liebe Grüsse!
    Peter

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    1. Antje Lange Autor

      Hallo Peter,

      vielen Dank für die lieben Worte und vor allem für Deinen unerschrockenen Einsatz an der Front für uns Museen! Das macht Mut.

      Ich hoffe auch, dass der Wille zur Veränderung den politischen Druck erhöhen und letzten Endes zum Befreiungsschlag führen wird. Auch unser Generaldirektor, der ja immer für mehr Offenheit plädiert, hat die Beiträge der digitalen Gemeinde mitbekommen und nimmt diese Anregungen mit in die Gespräche.

      Work in progress. 🙂

      Viele liebe Grüße, bis hoffentlich bald,
      Antje

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